Camptagebuch, Tag 1

Liebes Tagebuch!

Der erste Tag im Camp nähert sich nun zu ende. Du wirst dich freuen zu hören, dass ich mein Tagesziel sogar überschritten haben. 1021 Wörter! Nicht schlecht für den Anfang.

Die Kabine ist recht gemütlich und meine Mitbewohner sind auch sehr nett, wenn auch etwas prüde. Jedenfalls ist es ziemlich kuschelig. Bisher habe ich jede Menge Spaß und schnappe nebenbei noch ein paar Brocken Englisch auf.

schnurrig
Neko

PS: als kleine Überraschung stelle ich hier Day 1 online. Viel Spaß beim lesen!


Wie von einer weichen Decke eingehüllt, so liegt das Dorf mitten im Nebel versteckt. Kein Licht dringt durch die Decke, weder der Schein der Lampen nach draußen, noch die Strahlen des Mondes nach drinnen. Fast schon gespenstisch ist die Stille um die hölzernen, mit Stroh bedeckten Hütten. Plötzlich durchbrechen Geräusche aus dem nahen Wald die Stille!

Zwischen den Laub- und Nadelbäumen hängen Nebelfetzen wie zerrissene Kleider. Das knacken trockener Zweige und das peitschendes Geräusch zurückschlagender Äste klingt dumpf durch das Geäst. Hinzu gesellt sich angestrengtes, ängstliches Schnaufen, ehe ein junger Mann durch das dichte Unterholz bricht.

Schweiß glitzert auf seiner Stirn und klebt die blonden Haare an seinen Kopf. Das einfache Leinenhemd, zerrissen, zeigt blutige Spuren sowie Reste von der panischen Flucht. Die nackte Angst ist in den blauen Augen zu sehen während er sich mit verzweifelten Bewegungen ein paar Blätter von dem Hemd zupft. Doch schon weiten sich die Pupillen erneut von Angst und der Jüngling nimmt den Lauf wieder auf. Seine einfachen Lederstiefel rutschen immer wieder über die feuchte Erde während seine braune Hose an Ästen oder Dornen kurz hängen bleibt ehe er sich mit Gewalt befreien kann.

Keuchend prescht der junge Mann weiter durch den Wald, die Schrammen welche ihm das Gehölz dabei verpasst völlig ignorierend. Matsch spritz umher als er durch eine Pfütze rennt. Eine hervorstehende Wurzel bringt ihn zu Fall, doch schnell rappelt sich der Jüngling wieder auf, voller Schlamm, Gestrüpp und dem unangenehmen Brennen seiner Wunden. Er verliert keine Zeit! Nur seine Augen befreit er mit einer schnellen Handbewegung von dem feuchten Erdreich ehe er seine Flucht zum Dorf fortsetzt.

Langsam, beginnt sich der Wald zu lichten. Sein Dorf ist nur noch wenige hundert Meter entfernt. Hoffnung beginnt in den Augen des Jünglings aufzuschimmern während er sich immer noch erschöpft Keuchend weiter quält. Endlich am Rand des Waldes angekommen, kann er den leichten Lichtschimmer des Dorfes durch den Nebel erkennen und schöpft endgültig neuen Mut. Erleichtert atmet der junge Mann tief durch.

In diesem Moment packt ihn etwas an den Knöcheln! Sein Gesicht, eben noch voller Hoffnung, verzerrt sich zu einer Maske des Grauens während aus seinem Mund panische Hilferufe entweichen. Verzweifelt versucht er sich an irgendetwas festzuhalten, doch alles was er damit erreicht, ist das ausreißen von Gräsern und das hinterlassen von einigen verzweifelten Spuren um Erdreich. Langsam aber sich wird der Jüngling wieder hinein in den Wald geschleift. Nur wenigen Augenblicke später erklingt sein schmerzerfülltes Heulen. Der grausame Klang dringt sogar meilenweit durch den Nebel, sodass sich die Bewohne der Dorfes angsterfüllt zusammenrotten. Doch niemand wagt es in dieser Nacht dem Schrei nach zu gehen.

Erst am nächsten Morgen, als die Sonne bereits die letzten Reste des Nebels aufgelöst hatte, machten sich eine Handvoll Männer auf die Suche nach dem Ursprung des grauenhaften Schreis. Schnell war der Ort des grauen gefunden. Nur wenige Meter vom Waldrand entfernt eröffnete sich ihnen ein grauenvolles Bild. Geronnenes Blut klebt an Stämmen, Büschen und Gräsern. Eingeweide spannen sich von Ast zu Ast, sodass sogar zähe Tropfen herunterfallen. Doch das schlimmste ist der zerfetzte Körper des jungen Mannes, den Dörflern als Schmiedelehrling bekannt. Wäre nicht sein Kopf noch intakt, sie hätten den Körper nicht identifizieren können. Aber das Haupt wurde wie eine

Trophäe an einer Astgabel befestigt, während der Rest in Stück gerissen wurde. Der Mageninhalt der Suchmannschaft entleerte sich bei dem Anblick geräuschvoll.

Schnell macht der grausige Fund die Runde und die Erwachsenen haben bald alle Hände voll damit zu tun, neugierige Kinder fern zu halten. Nicht dass es die Arbeit, den Leichnam einzusammeln, einfacher oder gar erträglicher macht. Andrerseits wollte auch niemand dir sterblichen Überreste den Aasfressern überlassen. Erst als die Sonne langsam den Horizont streift, ist die Arbeit endlich getan. Keine Stunde zu früh. Schnell bringen die Dorfbewohner alles in Sicherheit ehe sie sich in ihre Häuser einschließen.

Früh am nächsten Morgen, sobald die Sonne alle Dunkelheit ausgelöscht hat, verlassen zwei Männer das Dorf. Die Straße führt zur nächsten Stadt, in welcher der Lord des Landes lebt. Mit ihm eine Schar tapfere Ritter, welche sich hoffentlich darum reißen werden, die Bestie im Wald zu töten.

Nach zwei Wochen kommen die Boten wieder zurück ins Dorf, doch leider ohne eine Schar Ritter oder auch nur irgendetwas, dass man gegen die Bestie einsetzen könnte. Kopfschüttelnd setzen sich die Dorfältesten zusammen. Verzweifelte Zeiten fordern verzweifelte Maßnahmen. Schnell ist die einzige Vernünftige Lösung gefunden. Das Dorf schreibt eine Belohnung aus. Wer auch immer die Bestie töten kann, soll sie erhalten. Zwar kommen nie sonderlich viele Reisenden durch das kleine Dorf, aber mit etwas Glück würde es sich schnell herumsprechen.

Die Sonne scheint hell vom Himmel während das Klacken der Hufe meines Pferdes auf dem staubigen Weg. Die schwarzen Flanken des Hengsts beben bei jedem Schritt zwischen meinen Schenkeln. Der Geruch der Gräser vermischt sich mit dem strengen Moschusgeruch des Hengstes und umgibt mich wie eine Wolke. Ein gelegentlicher Windhauch bricht diese immer wieder mit neuen Duftnoten auf.

Langsam taucht am Horizont ein Wald auf, gefolgt von den Dächern eines kleinen Dorfes. Felder voll goldenem Weizen werden sichtbar. Hier und da sind Menschen in den Feldern beschäftigt, welche verwundert aufschauen als ich vorbereite. Eine Gruppe von Kindern läuft kurz neben mir her, ehe sie ins Dorf eilen. Mit einem Schmunzeln auf den Lippen schaue ich den Knirpsen zu, wie sie ins Dorf eilen. Mit einem Mal mischt sich ein anderer Geruch in die Luft. Der scharfe Gestank von Angst verstärkt sich, je näher ich dem Dorf komme.

Rih schnaubt ungehalten bei dem Geruch, welcher immer intensiver wird. Außerdem scheint es ihm nicht ganz zu behagen wie wir angestarrt werden. Es dauert nur noch wenige Minuten bis wir das Dorf erreichen, wo bereits eine kleine Ansammlung der Bewohner wartet. In erster Linie handelte es sich um alte Männer, welche mich abschätzend mustern. Nicht gerade ungewohnt. Rih und ich geben aber auch ein etwas seltsames Paar ab, zumindest in dieser Gegend.

Mein Hengst gehört zu einer kleineren Rasse, aber mit viel Ausdauer. Außerdem ist er den meisten Pferden hier in Punkto Geschwindigkeit überlegen. Dafür ist er aber ein wenig eingebildet, besonders wenn es um Ställe geht.

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4 Responses to Camptagebuch, Tag 1

  1. Avatar von Tinka Beere Tinka Beere sagt:

    „Nebelfetzen wie zerrissene Kleider“ ist ein tolles Bild 🙂

    Und auch sonst schön geschrieben und lässt weitere Bilder in meinem Kopf entstehen. Klasse!
    Nur, wie schaffst du es bei der Hitze, so etwas Düsteres zu schreiben? 😀

    Liebe Grüße, Tinka 🙂

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