Immer wenn der Ritter in meinen Träumen erscheint

So, meine Geschichte für Hannas Blog mit dem Anfangssatz „Immer wenn der Ritter in meinen Träumen erscheint,…


Immer wenn der Ritter in meinen Träumen erscheint, zieht sich ein seltsames Gefühl durch meinen Körper. In einem Zustand zwischen Traum und Wirklichkeit sehe ich seine grüne Rüstung überdeutlich. Auch mich selbst kann ich während dieser Träume nur zu gut wahrnehmen. Es scheint mir viel weniger ein Traum als eine Vision, eine Art Lehrer, der mich auf den folgenden Tag vorbereitet. Bereits seit früher Kindheit leitete er mich immer wieder von neuem an und gab mir die Kraft, diese Scharade aufrecht zu erhalten. Nicht zu meinem Wohle, sondern zum Wohle aller. Er erinnert mich, jedes Mal aufs Neue, dass es meine Pflicht ist, dem Volke zu dienen, nicht mir selbst.

Seine Lektionen sind kurz und streng. Mit Nachdruck wies er mich in die von mir zu erwartenden Verhaltensweise ein. Dem Ritter aus meinen Träumen ist es zu verdanken, dass mein Vater mich als den Sohn ansieht, der ihm vielleicht einmal auf den Thron folgen kann. Bereits mit zehn Jahren gehörte ich zu den vielversprechendsten Schwertkämpfern, wie es einem Prinzen gebührte. Keiner der Anderen konnte es mit mir aufnehmen. Aber in den letzten Jahren haben sich die Dinge geändert.

Der grüne Ritter erschien immer seltenere in meinen Träumen während sich in mir selbst etwas zu verändern schien. Meine Halbschwester sowie der Berater meines Vaters halfen mir durch diese Zeit, in welcher ich meine Bestimmung doch sehr in Frage stellte. Sollte ich wirklich einmal König werden? Könnte ich überhaupt König werden oder wäre es nicht, wenn überhaupt, eine Königin? Den, auch wenn mich alle wie einen Jungen behandeln und ich mich wie eine benehme, bin ich doch nur ein Mädchen. Artoria ist mein eigentlicher Name. Doch alle nennen mich nur Arthus Pendragon, Sohn von Uther Pendragon und Prinz von Camelot! Und meine Pflicht, egal ob ich nun Frau oder Mann sei, gilt dem Volk.

Es ist lange her, dass ich zuletzt von dem grünen Ritter geträumt habe, doch in dieser Nacht erscheint er mir wieder. Auf einem prächtigen Pferd kommt er angeritten und hält direkt vor mir. Seine grüne Rüstung schimmert im dämmrigen Licht beinahe golden. Sein Gesicht ist wie immer von dem Visier des Helms vollständig verborgen. Nur Schatten ist darunter zu sehen. An seinen Hüften hängt ein Schwert in reich verzierter Scheide. „Immer noch im Zweifel, welches Schicksal das deine ist?“, fragt der Ritter mit märchenhaft melodischer Stimme, welche meine Knie weich werden lässt. Ich reiße mich zusammen und lege den Kopf fragend schief. Als Antwort deutet der Ritter auf mich.

Überrascht schaue ich an mir herab. Anstatt meiner üblichen Jungenkleider trage ich ein enges Kleid aus weißen Leinen. Überraschen auffällig tritt meine weibliche Seite hervor. Das Gewand ist so geschnitten, dass es Hüften, Po und Busen beton. Zusätzlich scheinen meine blonden Haare, welche ich gewöhnlich sehr kurz trage, zu einem Zopf geflochten. „Wie eine Jungfer auf dem Weg nach Avalon“, meint der Ritter mit einem Lachen in der Stimme. Zugleich taste ich du7rch meine Haare und finde eingeflochtenen Blume. Irritiert zupfe ich die weißen Blumen aus meinem Zopf. Achtlos fallen die Blüten zu Boden. „Ich bin nicht auf dem Weg nach Avalon und schon gar nicht in diesem Aufzug!“, halte ich schließlich stur entgegen.

Der grüne Ritter tritt einen Schritt zurück. Ich fühle förmlich wie seine Augen auf meinem Körper ruhen, kann seinen Blick spüren als würde er mir über die Haut streicheln. Seltsame Hitze steigt in mir auf, bis in meine Wangen. Sie durchflutet meinen Körper und scheint besonders auf meinen Schritt sowie Brüste abgesehen zu haben. Ein freundliches Lachen erklingt von meinem Traumbesuch. „Bist du sicher, dass du weiterhin der Prinz sein willst?“, fragt er mich schließlich ehe er dann anfügt: „Als Priesterin oder Schankmaid würdest du auch eine gute Figur machen. Auch wenn dir dafür ein wenig Fleisch an den richtigen Stellen fehlt.“

Funkelnd starre ich den grünen Ritter an. Ich richte mich zu meiner vollen Größe auf, drücke die Brust leicht hinaus und verschränke die Arme davor. „Ich bin Artoria Pendragon. Ich werde Camelot immer lieben und mit aller Kraft verteidigen!“, brülle ich dem Ritter fast entgegen. Ich könnte schwören, dass er unter dem Helm lächelt aber noch bevor ich mir weiter darum Gedanken machen kann, fragt er erneut: „Auch, wenn es bedeutet, dass du dein wahres Ich verleugnen musst und immer Arthus Pendragon sein wirst?“ „Ja! Selbst dann“, kommt meine Antwort sofort und ohne jegliches Zögern. Der grüne Ritter nickt leicht. „Ich habe nichts Anderes von dir erwartet.“ Und mit diesen Worten verblasst seine Gestalt bereits.

Verwundert über den plötzlichen Abgang richte mich meinen Blick wieder auf das Kleid. Allerdings befindet sich dort keines mehr. Stattdessen bin ich in eine Kettenrüstung gehüllt mitsamt dem Wams des Hauses Pendragon. An meinen Hüften befindet sich eine wunderschön gearbeitete Scheide mitsamt einem Schwert. Der Griff schimmert Golden während der Knauf zu einem Drachenkopf geformt wurde. In der linken Hand halte ich einen dreieckigen Schild. Als ich meinen Blick wieder von meiner neuen Kleidung abwende, sehe ich vor mir ein weites Feld im Schein der aufgehenden Sonne. Eine leichte Brise kommt auf, welche die Gräser in Bewegung setzt.

„Arthus! Arthus! Wo bleibst du denn?“, dringt plötzlich eine Stimme an meine Ohren. Wiederwillig ziehe ich mir die Decke über den Kopf und drehe mich nochmal um. Es dauert aber nicht lange, bis mich sanft eine Hand aus dem restliche Schlummer weckt. „Jetzt steh schon auf! Sonst müssen wieder alle auf dich mit dem Training warte“, flüstert mir eine sanfte Stimme dabei ins Ohr. „Schon gut, ich bin ja wach“, antworte ich etwas grummelig bevor ich schließlich den letzten Rest des Traumes abschüttle.

Über Neko

Freche kleine Katze mit einer Leidenschaft für Bücher und Geschichten :3 Meow!
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4 Antworten zu Immer wenn der Ritter in meinen Träumen erscheint

  1. Hanna Mandrello schreibt:

    Ganz tolle Geschichte 🙂 Vielen Dank! Hat viel Spaß gemacht, sie zu lesen. Ich glaube, wenn du nicht Katze geworden wärst, wärst du wohl sehr gern ein Ritter, oder? Liebe Gruesse Hanna

    Gefällt 2 Personen

  2. patriziagruber schreibt:

    Tolle Geschichte.Hat wirklich Spaß gemacht, sie zu lesen. Ganz liebe Grüße * Trisha

    Gefällt 2 Personen

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