Sternenkrieger

Kapitel 1 – Eisige Weiten

Zerstörung

Nyla:

Nachdem eine Bresche in die feindliche Verteidigung geschlagen ist, machen sich Kitty und ich daran, den Weg für die leichter gepanzerten Ulfsarks frei zu machen. Hinter den Löchern liegt noch alles im Nebel der Explosionen und dem Staub der teilweise atomisierten Mauer. Grauer Staub rieselt fast gemächlich auf den Boden während ich langsam durch die Lücke in der Mauer schreite. Dabei halte ich meine Energieklinge fest in den Pfoten um jederzeit reagieren zu können.

Abgesehen von dem sich wiederholenden, beinahe rhythmischen Geräusch der feuernden Artillerie herrscht völlige Ruhe in der feindlichen Stellung. Nichts scheint sich zu rühren. Es ist fast so, als wären die Piraten bei unserem Angriff panisch geflohen. Nur fehlen die Spuren eines derart ungeplanten Rückzugs. Keine in der Eile weggeworfenen Waffen oder panisch über den Haufen gerannte Gegenstände. Die Fässer und Kisten sind ordentlich aufgestellt, bereit jederzeit benutzt zu werden. Zusätzlich sind durch den Staub des Angriffes unsere Sensoren blockiert. Zuviele Interferenzen um etwas zu erkennen. Wachsam halte ich meine Augen auf die sich nur langsam verflüchtigende Staubwolke gerichtet.

Als sich diese langsam zu lichten beginnt, erklingt ein leises, zischelndes Geräusch. So als würde ein Tropfen Wasser im kochenden Öl verdampfen. Keinen Moment später erscheint auch schon die Warnung in meinem Visor. Ein Pfeil weist auf die Richtung hin, aus welcher die Gefahr kommt. Fast augenblicklich setze ich mich in Bewegung. Mit einer Drehung um die eigene Achse bringe ich mich aus dem Weg des Projektils ehe ich mich in einer lauernden, geduckten Position für den Gegenangriff vorbereite. Derweil hält Kitty dem Feindfeuer mit ihrem Energieschild stand. “Direkter Feindkontakt, Zeit den Spieß umzudrehen!”, meint sie über den Comkanal.

Während sich Kitty langsam, fast träge trotz dem feindlichen Feuer nach vorne bewegt und damit den Großteil der Geschosse auf sich zieht, suche ich einen Weg über die feindliche Flanke. Zugute kommt mir nicht nur meine natürliche Agilität, sondern auch die Konstruktionsweise der Rüstung, welche es mir erlaubt, trotz der schweren Panzerung, mich mit der Eleganz eines Raubtieres zu bewegen. Anstatt mich mit dem Schild gegen die anfliegenden Plasmakugeln zu schützen, weiche ich entsprechend auf die Seite aus. Viel Deckung bieten die herumstehenden Kisten nicht, aber ausreichend um nicht direkt ins Sichtfeld der Gegner zu kommen, welch ihrerseits Schutz hinter denkbar ungeeigneten Material suchen.

Schnell springe ich von Deckung zu Deckung, rolle mich über den Boden. Dabei komme dem Feind unaufhaltsam näher. “Uh, lange hält mein Schild das nicht mehr aus”, meldet sich Kitty mit angestrengt klingender Stimme. Nur einen Moment später erklingt eine andere Stimme: “Deckungsfeuer in voraussichtlich neunzig Sekunden.” Die Ulfsarks rücken also langsam vor. Leicht grinsend springe ich über die nächste Deckung, rolle mich über die Schulter ab und lande damit fast auf Höhe der Piraten. Nur noch wenige Meter trennen mich von deren Stellungen. Schneinbar haben sie mich bisher auch noch nicht bemerkt. Vorsichtig hebe ich den Kopf aus der Deckung, um einen Blick auf unsere Feinde zu werfen.

Die wenigsten Piraten können an schwere Rüstungen kommen und noch weniger an wirklich gute Ausführungen. So ist es kein Wunder, das es sich bei unseren Gegnern um einen wild zusammen gewürfelten Haufen uralter Powerrüstungen in diversen Stadien des Verfalls handelt. An manchen Stellen wurde einfach ein Stück Metall darüber geschweißt oder auch einfach nur mit Farbe darüber gepinselt. Von der Statur her scheint es sich um Menschen zu handeln, auch wenn die ein oder andere Rüstung so wirkt, als hätte sich etwas Größeres hineingezwängt. Die großzügige Ausrüstung mit Plasmawaffen spricht jedenfalls nicht unbedingt für menschliche Piraten. Immerhin bevorzuge diese die Railguns. Plasma ist einfach etwas zu instabil.

“Fünfzehn Boogies in leichten, nicht klassifizierbaren Rüstungen. Ausschussware allem Anschein nach”, gebe ich meine Beobachtung an den Rest der Kampfgruppe weiter. “Verstanden, Daten werden ausgewertet und Ziele anvisiert”, kommt die Antwort der Ulfsarks sofort. Auch wenn das Unterstützungsfeuer in ein paar Sekunden die Last von Kittys Schild nimmt, ist die Zeit bis dahin immer noch zu lange. Das superheiße Plasma zerrt extrem an den Energiereserven eines Personenschildes, auch wenn es sich um eine ausgerichtete Varianten von marsianischer Machart handelt. Natürlich würde auch die Rüstung noch einige Treffer aushalten, aber es könnte genauso gut in die Hose gehen.

Noch einmal lasse ich meinen Blick über die Gegner wandern, ehe ich meine Energieklinge anhebe. Ein leichtes Grinsend stiehlt sich auf meine Lippen, bevor ich auch schon über die letzte Deckung springe. Elegant komme ich auf den Beinen auf, strecke meine Waffe nach vorne und stürme auch schon auf die Gegner zu. Noch bevor ich die ersten Meter überwunden habe, wenden sich die ersten Piraten mir zu. Begleitet von dem leisen Zischen des Plasmas lösen sich die gleißend weißen Geschosse aus deren Waffen. Adrenalin durchflutet meinen Körper, jedes einzelne Haar scheint unter Spannung zu stehen. Mit einer blitzschnellen Bewegung wische ich das erste Plasmageschoss mithilfe meines Energieschwertes beiseite, ehe ich mich mit einer Rolle aus der Schussbahn bringe.

Während das heiße Plasma noch von meiner Klinge tropft, springe ich schon wieder vom Boden ab, direkt auf den Gegner zu. Zwei, drei Sprünge und ich sehe dem ersten Piraten direkt in den Visor. Ohne den Helm würden man vermutlich ein sehr überraschtes Gesicht sehen. Einen kurzen Moment flackert das Energieschild der Rüstung auf, ehe es in sich zusammenfällt, als meine Klinge sich durch die Panzerung bohrt. In dem Moment, als ich die Waffe wieder herausziehe, beginnt auch schon ein neuer Hagel an Plasmakugeln auf mich einzuregnen.

Einer Tänzerin gleich bewege ich mich elegant in dem Sperrfeuer. Mit meinem Schwert blocke ich heißes Plasma während Drehungen und Sprünge dafür sorgen, dass die Piraten keine Möglichkeit haben, mich wirklich zu erfassen. Zugleich nähere ich mich den feindlichen Soldaten mit jeder Bewegung weiter. Zwar weichen diese langsam zurück, aber meine Bewegungen bringen mich schneller in ihre Nähe, als sie sich entfernen können. Die Zeit scheint für mich fast still zu stehen. Es ist als würde sich alles in Zeitlupe bewegen. Dann durchschlägt mein Schwert erneut eine feindliche Rüstung, begleitet von dem Geräusch nachgebenden Metalls.

Natürlich bleibt mir die Ehre des Kampfes nicht völlig alleine. Da das Feuer nun nicht mehr auf sie gerichtet ist, rückt Kitty schnell zu mir auf, wenn auch nicht so elegant. Im Gegenteil tritt sie Hindernisse einfach laut krachend auf die Seite. Während ich noch im Fokus der Feinde stehe und mich elegant den Treffern durch die Plasmakugeln entziehe, stampft sie regelrecht durch die Deckung. Ein kräftiger Stoß lässt Kittys brennende Thermitklinge wie Butter durch die feindliche Rüstung gleiten.

In dem Moment scheint es den Piraten zu dämmern, dass sie nicht wirklich eine Chance habe. Anstatt weiter auf uns zu schießen, werfen sie den unnötigen Ballast ihrer Plasmagewehre weg und nehmen regelrecht die Beine in die Hand. Weit allerdings kommen sie nicht. Nach nur wenigen Metern schlagen plötzlich Kugeln rund um sie ein.

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