Sternenkrieger

Kapitel 1 – Eisige Weiten

Kabumm

Kitty:
Die Railguns der Ulfsarks machen kurzen Prozess mit den leichten Powerrüstungen der Piraten. Die titanverstärkten Spitzen durchschlagen das Metall, als wäre es Papier. Kein Energieschild flackert auf, um auch nur einen Teil des Schadens zu absorbieren. Es ist fast, als würde man Asteroiden mit einem Laser abschießen. Viel zu einfach. “Feuer einstellen, es ist niemand mehr da, der auch nur ansatzweise etwas ausrichten könnte”, meldet Nyla durch den Comkanal. Dabei klingt so etwas wie ein zufriedenes Schnurren in ihrer Stimme mit.
Kopfschüttelnd richte ich meinen Blick wieder zu der feindlichen Artillerie, welche immer noch im selben Rhythmus feuert. Dabei ist nun allerdings ein guter Blick auf den Aufbau der Waffe zu sehen. Im Grunde ist es nicht viel mehr als ein großes Rohr, an welchem ein dicker Magnet und ein Plasmatank angeschlossen wurden. Es macht nicht den Eindruck, als würde es sich dabei um wirkliches Kriegsgerät handeln. “Sieht ja aus, als hätte jemand ein paar Teile Zweckentfremdet. Zumindest sind es keine normalen Plasmakanonen”, gebe ich über den Funkkanal weiter während ich mich zugleich weiter den plasmaspeienden Ungeheuern nähere.
Es zischt und blubbert an allen Ecken und Enden. Niemand bei klarem Verstand würde so eine Waffe einsetzen. Es gibt sogar stellen, wo das heiße Plasma langsam hervorsickert. Eigentlich ist es sogar ein Wunder, dass diese Dinger das Feuer so lange aufrechterhalten konnten. Meine Sensoren warnen mich mit rotem Blinken vor der Gefahr, die von diesen Dingern ausgeht. “Hey, Nyla. Was sollen wir mit den Dingern am besten machen?”, frage ich die Raktari. Es dauert nur einen kurzen Moment, bevor ihre Antwort kommt: “Kabumm!” Gleich darauf höre ich das Lachen der Ulfsarks. “Gebt uns noch fünf Minuten um die Umgebung zu checken und uns außer Kabummreichweite zu begeben”, meldet sich der Leutnant der leichten Infanterie noch kurz, bevor diese auch schon ausschwärmen. Derweil machen sich Nyla und ich daran, alles für das große Kabumm vorzubereiten.
“Wie sind die nur an diese Höllendinger gekommen?”, fragt Nyla nachdenklich während sie einen Sprengsatz am Plasmatank befestigt. Ich mache dasselbe auf der anderen Seite. Mit einem Blick auf die Steuerkonsolen antworte ich: “Sieht fast so aus, als hätten sie die aus Terraforming und Bergbauausrüstung zusammengebastelt. Allerdings scheint das Zielsystem recht modern zu sein. Am besten wir versuchen noch ein paar Daten aus den Konsolen zu bergen.” “Mache mich gleich daran”, stimmt Nyla zu. Ich gebe es ja nicht gerne zu, aber die Raktari hat die bessere Ausrüstung. Besonders wenn es darum geht Daten zu sammeln. Vermutlich hat sie in ein paar Sekunden alle Daten aus dem Terminal kopiert und zugleich die Hälfte entschlüsselt.
Ich bringe die nächste Sprengladung an, während ich leise murmle: “Warte nur bis ich meine angepasste Rüstung habe.” Klickend haftet der Sprengsatz an dem Rohr der Artillerie. Nach wie vor pumpt dieses heiße Plasma in die Luft, direkt auf die Basis zu. Leider scheinen die Steuerungen nicht mehr dazu in der Lage zu sein, das Feuer einzustellen. Ein großes, glühendes Loch befindet sich in der Mitte der Konsole, die vermutlich dazu gedacht war, das Feuer zu lenken. Nun ja, gut dass es immer mehr als eine Möglichkeit gibt, um etwas auszuschalten.
“Daten gesichert. Wir sollten den Bereich großflächig räumen”, meldet Nyla schließlich, gerade als ich mit der letzten Sprengladung fertig bin. Zugleich kommen die Ulfsarks von ihrer Erkundungstour zurück. Ihre Rüstungen erinnern an nordische Krieger mit einem Wolfsfell auf dem Kopf. Jeder Soldat darin hat die Freiheit, eigene Symbole und Runen anzubringen, sowie ein paar andere, kleine Modifikationen vorzunehmen. Etwas, das in den meisten Flotten streng verboten ist. “Keine Spur von weiteren Feinden. Der Sturm hat alles Hinweise bereits wieder völlig verweht. Aber wir sammeln kurz die Überreste unsere Feinde noch auf”, kommt der Funkspruch des Leutnants.
Weitere Minuten vergehen, während alle Aufgaben abgeschlossen werden. Die acht Ulfsarks haben keine Probleme damit, die Reste der gefallenen Piraten hinter sich her aus der Stellung zu schleifen. Gute zweihundert Meter von der Artillerie entfernt sammeln wir uns. “Mit Luftunterstützung wäre die Sache einfacher gewesen”, meint Nyla. Ich grinse leicht, bevor ich das Signal zur Detonation der Ladungen gebe. “Mag sein, aber das ist nie so ein schönes Feuerwerk.”
Kaum ausgesprochen zünden die Sprengladungen bereits. Zwei kleine Explosionen, denen direkt das aufsteigen einer gewaltigen Feuerkugel folgt, als die Plasmatanks in die Luft fliegen. Die Druckwelle weht den Schnee in die Höhe und verwandelte ihn in Regen, welcher sofort wieder gefriert. Als kleiner Eissturm fällt dieser wieder zu Boden. “Kein schlechtes Feuerwerk. Aber jetzt zurück. Hoffe wir, dass es den anderen Gruppen auch so gut ergangen ist”, meint Nyla. Schnell macht sich unsere Gruppe, beladen mit den toten Piraten daran, zurück zum Basislager zu kommen.
Als das Basiscamp in Sicht kommt, ist schnell klar, dass die anderen Gruppen ihre Aufgaben zumindest abgeschlossen haben. Das Energieschild ist keinem Beschuss mehr ausgesetzt. Dafür sind die Techniker bereits dabei, eventuelle Schäden zu beheben. Schließlich kommt auch ein Funkspruch vom Commander: “Kampfgruppe Tyr! Schön euch wieder zu haben. Wir sind auf heftigen Wiederstand gestoßen und der Funkkontakt zu euch ist abgebrochen. Noch etwas länger und wir hätten ein Rettungsteam geschickt.” “Wir haben nur ein wenig länger gebraucht, um das Feuerwerk zu bewundern und ein paar zusätzliche Daten zu bergen”, antwortet Nyla als wäre es das normalste im ganzem Universum. Kurz ist es ruhig, ehe Birkly wieder erklingt: “Ich hoffe es ist etwas Brauchbares darunter. Wir tappen nach wie vor ziemlich im Dunkeln und die Flotte kann nach wie vor nicht so recht durch die Atmosphäre dringen.”
Anschließend erhalten wir den Befehl unsere Fracht abzuladen sowie die Rüstungen für die Überholung bereit zu machen. Neben dem Aufladen der Energiezellen ist auch das wiederbestücken der Waffensysteme von äußerster Wichtigkeit. Mehrere hundert Stück an Projektilen wurden zusätzlich zu den Sprengstoffen verschossen. Nur gut, dass das Zeug in Stückzahlen von Milliarden hergestellt wird, ansonsten müssten man wohl wirklich darüber nachdenken, auf präziseres Feuern umzustellen. Andererseits kann nicht alles ein Stück Kunst sein, wie es bei den Raktari durchaus vorkommt. Diese Katzenwesen sehen jede selbst ausgeführte Tätigkeit als eine Art Kunst und suchen danach, sie zu perfektionieren. Was mich bei Nyla manchmal in den Wahnsinn treiben kann.
Es fühlt sich richtig gut an, als ich endlich wieder aus der Rüstung steigen kann. Zischend öffnen sich die Versiegelungen und erneut darf ich mit schlimmen Helmhaar wieder an die frische, gefilterte Luft. Neben mir steigt die gesamte Truppe aus den Panzerungen. Eng an den Körper liegende Zerosuits verbergen nicht viel. Nyla streckt sich ausgiebig durch, bevor sie mit schnurrender Stimme meint: “So ein Kampf macht mich immer durstig. Treffen wir uns in der Messe?” Natürlich stimmen alle zu. “Versucht aber nicht wieder Alkohol zu bekommen. Du weißt genau, dass das während einem Einsatz nicht erlaubt ist”, mahne ich die Raktari grinsend, was diese dazu bringt, ihre Augen zu verdrehen.

Über Neko

Freche kleine Katze mit einer Leidenschaft für Bücher und Geschichten :3 Meow!
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