Sternenkrieger

Kapitel 1 – Eisige Weiten

Ein unerwarteter Feind

Nyla:
Wie zu erwarten füllte sich die Messe relativ schnell mit den zurückkehrenden Soldaten. Es ist nicht nur ein Brauch bei uns Raktari, nach einer Schlacht mit den Schwestern das Glas zu erheben und zu feiern, dass man noch da ist. Obwohl es bei den Menschen weniger ausgelassen zugeht. Zumindest während man sich noch im aktiven Dienst befindet. Auf der anderen Seite ist es natürlich auch so, dass sich die Menschen dafür nach dem Dienst umso mehr gehen lassen. “Auf unsere erfolgreiche Mission! Mögen noch viele folgen”, bringt der Leutnant der Ulfsarks den Trinkspruch auf welchen wir unsere mit Limonade gefüllten Gläser heben. “Auf unsere marsianische Schieldmaid!”, fügt ein andere hinzu bevor ein Dritter meint: “Auf unsere Raktari Kriegerin!” Kitty läuft ein wenig rot an während ich nur mit den Ohren zucke.
“Ha! Vor dreißig Jahren hätte jeder laut gelacht, wenn jemand auch nur den Gedanken geäußert hätte, dass eine Raktari mit uns Menschen zusammen einen Sieg feiert”, wirft jemand von einem Nachbartisch ein. Ein älterer Mann mit ergrautem Haar und einer gut sichtbaren Narbe auf der Wange. Mit erhobenem Glas erwidere ich: “Und vor vierzig Jahren hätte niemand Gedacht, dass Marsianer, Terraner und die Clans zusammenarbeiten könnten.” Der alte Recke lacht laut, ehe er sein Glas leer. “Zur wahr, nur zu wahr. Und dann haben ein paar Idioten sich mit übergroßen Raubkatzen angelegt. Ich glaube der ganze Kommandostab von Terra, Mars und den Clans hatten die Hosen so dermaßen voll, dass sie nicht einmal daran gedacht haben, ihren eigenen, kleinen Krieg auszutragen”, meint er anschließend. Ich zucke leicht mit den Ohren. “Nun, wir Raktari nehmen es nicht sonderlich gelassen hin, wenn man uns das Fell abziehen will.” Dieses Mal lachen so gut wie alle in dem Raum. Etwas Ausgelassener geht es dann weiter.
Nach einer Weile fragt Kitty: “Ich hab nie ganz verstanden, wie ihr Raktari eine so komplexe Gesellschaft errichten konnte. Ihr liebt die Herausforderung, lebt auf tödlichen Welten, gehorcht einer Göttin und seid organisiert wie eine alte, feudale Gesellschaft. Trotzdem seid ihr nicht nur eine formidable Streitmacht, sondern auch noch mit Technologie ausgestattet, die unsere Techniker nur den Kopf schütteln lässt.” “Raktari schätzen das einfache Leben. Das ist vielleicht auch der Grund, warum viele von uns sich auf Todeswelten niederlassen um dort ohne Technologie zu leben. Unsere Göttin herrscht durch die Königin des Reiches, welche zugleich eine Verkörperung von ihr ist. Und was die Technik angeht, irgendwie müssen wir schließlich den Worten der Gottkönigin gehorchen”, antworte ich leicht schmunzelnd. Kopfschüttelnd gibt Kitty zurück: “Und da sagen sie wir Marsianer wären unserem Imperator fanatisch ergeben.”
Es entflammt ein freundschaftliches Geplänkel zwischen Terranern, Marsianern und Spacer Clans, wobei ich als Raktari wohl die Schiedsrichterin spielen muss. Immerhin werde ich gerne als letztes Gefragt, welche Seite ich in diesem Fall besser finde. Wobei ich sagen muss, dass viele Unterschiede irgendwie nur Oberflächlich sind. Was wohl auch daran liegt, dass alle Menschen ein und denselben Ursprung haben. Nur irgendwann hat sich Mars von Terra losgesagt während die Spacer Clans von Anfang an eine graue Zone besiedelt hatten. Es fühlt sich ein wenig befremdlich an, über die verschiedenen Auflassungen von Menschen zu richten oder zumindest die Meinung dazu abzugeben.
Ich bin recht froh, als sich die Gruppen langsam aufzulösen beginnen, sodass auch Kitty und ich uns verabschieden. “Besser noch ein wenig Schlaf bekommen, bis wir den Piraten den Rest geben!”, meint sie noch breit grinsend als wir die Messe verlassen. Wir sind gerade aus der Messe draußen und machen uns auf den Weg zu unserem Quartier, da erklingt auch schon die Stimme von Commander Birky: “Nyla und Nikitin, sofort im Kommandozentrum melden.” “Sieht schlecht mit dem Schlaf aus”, meine ich mit zuckenden Ohren ehe Kitty sich durch die roten Haare fährt. “Was der Commander wohl von uns will?”
Um die Frage auch wirklich beantworten zu können, nehmen wir den direkten Weg zum Kommandozentrum. Es sind nur ein paar Gänge mehr, als zu unseren Quartieren. Das Zentrum der Operation sticht natürlich nicht nur durch eine Vielzahl an Monitoren mit taktischen Karten und anderen, nicht so genau definierbaren Ansichten hervor, sondern auch die Geschäftigkeit der hier arbeitenden Personen. Es wirkt ein wenig wie ein Ameisenhaufen, so wuselt es hier herum. Im Vergleich zu den Kommandozentren meines Volkes, neigen die Menschen ein wenig dazu, es zu übertreiben.
Kaum, dass wir die Zentrale betreten haben, ruft uns auch schon der Commander zu sich. “Nyla, Nikitin! Wir haben neue Informationen durch die geborgenen Leichen. Aber unser Wissen um anderen Völker hält sich in Grenzen, da die Raktari uns noch ziemlich isoliert halten. Und da ich das Glück habe, eine Raktari unter meinem Kommando zu haben, kann ich die offiziellen Kanäle zumindest ein wenig umgehen”, meint der Commander während er uns mit seinen unruhigen, grauen Augen betrachtet. Dabei hält er seine Arme hinter dem Rücken verschränkt. Auffallende an dem Commander sind seine breiten Schultern und die leicht schiefe Nase. Soweit mir bekannt, war sein Aufstieg durch die Ränge vor allem durch außerordentliche Leistungen begünstigt. Einem Werdegang, der bei den Raktari bevorzugt wird.
Ich zucke leicht mit den Ohren, ehe ich Birky frage: “Ich gehe davon aus, dass es sich bei den Piraten nicht nur um Menschen gehandelt hat?” Nickend deutet der Commander auf einen Bildschirm wo sich die Bilder eines Wesens befinden. Hellbraune, ledrige Haut spannt sich über einen muskulösen Körper. Das Gesicht ist überraschend Flach, da die Nase völlig fehlt. Hervorstechend sind die Wölbungen über den Augen sowie die spitzen Hauer, die aus dem breiten Maul hervorragen. Dort drinnen befinden sich noch viele, nadelspitze Zähne. Keine Haare finden sich am ganzen Körper dieses Aliens. Überrascht ziehe ich die Augenbrauen hoch, bevor ich mich an den Commander wende: “Sir, wir sollten umgehend die Raktariflotte verständigen. Das hier ist ein Intyre. Sie sind nicht gerade für ihre Freundlichkeit bekannt. Das heilige Reich der Raktari hält eine Blockade ihrer Systeme seit mehreren Zyklen aufrecht um ihren Raubzügen ein Ende zu bereiten.” Birkly sieht mich ein wenig schief an, ehe er fragt: “Ihr haltet eine Blockade von mehreren Systemen aufrecht um sie in Schach zu halten?”
Nachdenklich antworte ich: “Die Intyre sind nicht direkt eine Bedrohung. Es ist eher so, dass ihre Kultur auf Sklaven und das Recht des Stärkeren beruht. Wie sie es geschafft haben, trotzdem ins All zu kommen ist uns selbst ein Rätsel. Jedenfalls neigen sie dazu Planeten zu überfall und die Bewohner zu versklaven. Dadurch haben sie auch einige recht gefährliche Waffen erbeutet. Im Gegensatz zu anderen, kriegerischen Völkern sind die Inytre allerdings der Meinung, dass es am besten ist, die Schwachen anzugreifen. Unterentwickelte Welten, egal in welchem Entwicklungsstadium sind ihre bevorzugte Beute.” Birky nickt verstehend. “Ich werde sofort einen Funkspruch absetzen und die Informationen an die Admiralität weiterleiten. Leider kann ich nicht versprechend, dass die Raktari informiert werden. Aber ich denke es ist mehr als wahrscheinlich. Wegtreten.” Damit sind wir entlassen. Kitty und ich salutieren kurz, bevor wir das Kommandozentrum verlassen.

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