Sternenkrieger

Kapitel 1 – Eisige Weiten

Eine Raktari Flotte

Nyla:
Die Ränder des Loches bröckeln leicht während ich mich geduckt hindurchbewege. Schild und Schwert stehen bereit um jeden Feind sofort niederzustrecken. Das Rauschen des Blutes durch meinen Körper erklingt wie ein sanfter Hintergrundton in meinen Ohren. Die Partikel des Nebels stören die Sensoren der Rüstungen, lassen aber noch genug erkennen, sodass wir nicht völlig blind in die Basis eindringen. Hinter mir folgt Kitty, ehe die anderen von der schweren Infanterie folgen. Schnell bildet sich eine Linie, um den Bruch zu schützen.
Als sich der graue Schleier aus Staub legt, stehen wir scheinbar in einem Lagerraum. Diverse Behälter sind fein säuberlich an die Mauern geschichtet, mit Halterungen gesichert und wirken bis auf die kürzliche Explosion völlig unberührt. “Sichert den Raum”, kommt Kittys Befehl über den Comkanal. In Sekundenschnelle schwärmen wir aus, prüfen jedes möglich Versteckt in dem kleinen Raum, bevor die Rückmeldung kommt. “Alles sauber.”
Gleich darauf gibt Kitty den Befehl an die Ulfsarks weiter, durch die Bresche einzudringen. Zugleich sammeln wir uns vor der Tür, welche tiefer in die Festung führt. “Sieht nicht so aus, als hätten sie Zeit gehabt, die ganze Festung zu erkunden”, meine ich mit einem Blick auf die unverschlossene Tür. Einer der Einherier hält dagegen: “Oder das ist eine Falle. Wir sollten vorsichtig sein. Diese ganze uralte Festung schmeckt mir nicht.” Zustimmend nickend öffne ich vorsichtig die Tür. Langsam schiebe ich sie in die Wand hinein, wobei die Mechanik leise protestiert.
Dahinter befindet sich ein langer, leerer Gang. Kein Licht erhellt die Wände, abgesehen von dem leichten Schimmer einige, weniger Keypads. Schnell stellen sich die Sensoren auf die lichtarme Umgebung ein. “Das stinkt. Selbst nach nur ein paar Monaten hier, sollten sie mehr von der Basis aktiv nutzen oder zumindest sollten irgendwelche Spuren von Gebrauch hier sein”, murrt Kitty misstrauisch. Ich schalte mehrmals zwischen den einzelnen Sensoren durch, aber weder Wärmebild, noch Infrarot oder irgendein andere Modus geben Aufschluss auf den Grund, warum hier nie jemand gewesen ist. Schließlich meine ich: “Vielleicht ist dieser Teil der Festung einfach verschlossen und die Piraten haben sich nicht die Mühe gemacht, ihn zu öffnen.”
Sie reagiert nur mit einem Knurren, das einer Raktari gut zu Gesicht stehen würden, dann geht es auch schon langsam durch den langen Korridor. Die schweren Schritte der menschlichen Rüstungen hallen an den Wänden wieder. Zugleich erreicht die leichte Infanterie langsam die Breschen und dringen in den Lagerraum ein, wo sie auf weitere Befehle warten. Bisher sieht es so aus, als hätten die Energieschilde Verluste vermieden.
Wir nähern uns der ersten Tür in dem Korridor. Weiter zeigen die Sensoren nicht an, was sich auch nicht ändert, als wir die Tür langsam aufschieben. Ein schneller Blick zeigt, dass es sich auch hier um einen Lagerraum handeln muss, auch wenn schwer zu sagen ist, was hier mal untergebracht war. Er ist voller Fässer, die wirken als hätte der Rost der Zeit einige sehr unansehnliche Löcher hineingefressen. Auf einem kann man noch ein paar Zeichen erkennen, die wirken, als wäre es nur mit dem Buchstaben X gekennzeichnet worden.
Ein etwas mulmiges Gefühl macht sich breit, fast so als würden man eine lang vergessen Grabstätte nach Jahrhunderten das erste Mal wieder betreten. “Sieht aus, als hätten wir wieder den Kontakt zum Basiscamp verloren. Irgendetwas stört die Signale hier”, meint Kitty während wir uns den nächsten Raum vornehmen. Fünf Räume und fünfmal finden wir keinen Gegner oder irgendetwas anderes, interessantes. Da der Gang nun gesichert ist, machen wir uns daran, die letzte Tür zu öffnen, welche vermutlich tiefer in die Festung führen wird. Wieder drücken wir vorsichtig die Tür auf, ehe wir einen Blick in den dahinterliegenden Raum werfen können.
Dieses Mal scheinen wir Glück zu haben. Vor uns erstreckt sich eine gewaltige Halle, mehrere Meter Hoch mit kunstvollen Prismen und Spiegel an Wänden und Decke, damit der ganze Raum in eine angenehmes Licht getaucht wird. Säulen ragen nach oben, kunstvolle verziert, aber bereits durch die Zeit beschädigt. Rechts von uns endet die Halle in einem großen Tor, wo man eine ganze Armee hindurchmarschieren lassen könnte. Auf der anderen Seite dagegen führt eine Treppe gemächlich nach oben. Vermutlich steht sie nur aus optischen und nicht aus praktischen Gründen dort.
“Na, hier könnte man ja ganze Völker unterbringen”, kommentiert ein Valkyre erstaunt während wir angespannt die Umgebung betrachten. Wieder scheinen sich hier keine Feinde aufzuhalten. “Ich traue der Stille nicht. Zumindest hier sollten wir auf Feinde treffen”, meine ich schließlich. Zustimmend gibt Kitty das Signal zum Ausschwärmen. Wachsam bewegen sich Zweiergruppen langsam über den Raum. Kitty folgt mir auf direkten Weg in Richtung der Treppe. Wir sind noch keine hundert Meter von ihr Entfernt, als sich plötzlich einen Hagel an Plasmakugeln auf uns ergießt.
Sofort gehen wir hinter unseren Schilden in Deckung. Zischend prallen die heißen Geschoße gegen das Energiefeld. “Zufrieden? Feinde auf neun, zwölf und drei Uhr. Erhöhte Position”, meldet Kitty grummelnd. Während sie vor allem ihren Schild benützt, dient mir auch meine Waffe dazu, mich vor dem Feindfeuer zu schützen. “Feuerunterstützung!”, rufe ich in den Kanal. Keine Sekunde vergeht, dann erklingt die Antwort: “Ziele im Visier, Feuer frei.” Zugleich sausen auch schon die ersten Geschosse über uns hinweg, direkt auf die Feinde zu. Die Anzahl der Feinde, die auf uns Schießen wird um einiges geringer, aber es sind immer noch viel mehr, als wir erwartet haben. Den anderen schweren Rüstungen geht es nicht viel besser. Auch sie werden von drei Seite aus mit Plasmageschossen eingedeckt.
“Verdammt! Luftunterstützung kann man hier ja völlig vergessen”, murrt Kitty als sie damit beginnt Garanten nach oben auf die Galerie zu schießen. Explosionen folgen und wieder verstummen Waffen für immer. Leise knurren aktiviere ich das Sternenfeuerprotokoll meiner Rüstung. Ein Summen geht durch die ganze Rüstung, als die Energie gesammelt wird. Ich richte meine Hände auf die Brüstungen hinter denen die Piraten Deckung suchen, ehe sich die Energie in zwei weiß gleißenden Strahlen entlädt. Diese Energiestrahlen schneiden durch die Deckung sowie die Piraten wie ein warmes Messer durch Buttern. Einen Moment lang scheinen unsere Feinde durch diesen Angriff völlig aus der Bahn geworfen. Mehr als genug Zeit für uns, zu reagieren und unsere Vorteile voll auszuspielen.
Während die Valykries in die Luft steigen, nutze ich eine der Säulen um mich mit mehreren Sprüngen auf die Brüstung zu katapultieren. Zugleich setzen die Einherier und Kitty mehrere Sprengsätze ein, um den Feind die Möglichkeit zu nehmen, sich wieder zu sammeln. Geübt darin, selbst in der Hitze des Gefechts sich von nichts ablenken zu lassen, fällt es uns wesentlich leichter, unsere Pläne umzusetzen wie den Piraten. Von der Galerie aus sind sie zudem meinem Schert hilflos ausgeliefert. Ihre Rüstungen können nicht einmal hoffen, der Energieklinge zu wiederstehen.
Es vergehen nur wenige Sekunden nach unserem Gegenangriff, als die Piraten trotz ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit damit beginnen, zurückzufallen. In diesem Moment erzittert die ganze Festung. “Hier spricht die GS Todesklaue, Kampfgruppen der Union machen sie sich auf das Eintreffen von Raktari Kriegerinnen gefasst.” Zusätzlich zu dem Funkspruch klären sich auch die anderen Frequenzen und wir bekommen wieder direkten Kontakt mit dem Basiscamp.
Nur Sekunden nach dem Funkspruch, gehüllt in einen goldenen, fast göttlichen Glanz, erscheinen die Kriegerinnen. Verzierte, kunstvolle Rüstungen bedecken ihre Körper. Nur wenig kann man auf den ersten Blick sagen. Die meisten davon sind mir vermutlich nicht unähnlich, aber es gibt auch Raktari, die man auf den ersten Blick nicht meinem Volk zuordnen würde. Die Kriegerinnen verlieren keine Zeit, sondern beginnen sofort damit, die Festung zu durchkämmen. “Nyla, deine Gruppe hat die untere Eben zugewiesen bekommen”, erklingt die vertraute Stimme meines Volkes. Für Menschen klingt es im Höchstfall wie ein zusammenhangloses Knurren und Fauchen, aber Raktari kommunizieren auf mehreren Ebenen. Infra- und Ultraschall tragen ebenso zur Kommunikation bei, wie die göttliche Verbindung meines Volkes. Nickend gebe ich den Befehl an die gesamte Truppe weiter.

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