Erotik, Liebe, Freundschaft – die wahren 50 shades of grey

Den Anstoß für diesen Beitrag hat Michaela mit ihrer Montagsfrage bzw der Antwort darauf geliefert. Scheinbar geht es nicht nur mir so, dass mir das Liebesgeschnülze ala Twilight auf die Schnurrhaare geht. Natürlich erlaubt das sogleich, dass man sich wirklich fragt, warum das eigentlich so ist. Natürlich ist es Geschmackssache, aber Liebesgeschichten gibt es, seit es Geschichten gibt und in älterer Literatur scheint das ganzen Thema etwas, man möchte fast sagen erwachsener, behandelt worden zu sein.

Vielleicht hat es auch etwas damit zu tun, dass heute ja eigentlich jeder Mensch seine Geschichten im Web veröffentliche kann und die literarische Bildung nicht mehr wirklich im Vordergrund steht. Nach meiner Erfahrung kann es sogar so sein, dass die Übersetzung eines Buches sprachlich besser ist, als das Original hust Twilight hust.

Soviel nun zur Einleitung. Ihr, meine werten Leser, dürft Euch nun von mir zu drei ineinander geflochtenen und doch getrennten sowie teils schwer zu trennenden Dinge beschnurren lassen: Erotik, Liebe & Freundschaft. Wobei man sie vielleicht etwas anderes anordnen sollte… mehr in einem Dreieck:

So macht es jedenfalls etwas mehr Sinn. Die Grenzen zwischen allen dreien können recht fließend sein. Erotik ist sowieso etwas, dass gerne mal dazwischen Funkt, aber auch der Übergang zwischen Liebe und Freundschaft ist fließend. Normalerweise ist es nötig erst ein gewisses freundschaftliches Verhältnis zwischen zwei Charakteren zu entwickeln, bevor es zu Liebe umschlägt. Natürlich bedarf dessen nicht nur Zeit, sondern auch jede Menge Wörter und um den Leser damit nicht zu langweilen, muss ziemlich was passieren. Das kann unter anderem der Grund sein, dass in den Kitschgeschichten die Charaktere sich oft schon nach der zweiten Zeile die Klamotten vom Leib reißen wollen. Natürlich ist es einfacher, die Betroffenen schnellstmöglich miteinander zu verkuppeln, aber es führt zu recht unrealistischen Darstellungen.

Manchmal habe ich aber durchaus auch das Gefühl, dass für viele die Liebesgeschichte einfach nur ein Mittel zum Zweck ist, um ein wenig mehr erotisches Knistern in die Geschichte zu bringen, ohne gleich als Pornoautor abgestempelt zu werden. Vermutlich schlagen hier ein paar alte Gepflogenheiten etwas durch. Könnte natürlich auch mit religiösen Ansichten zu tun haben, zumindest ein wenig. Aber casual Sex in Geschichten scheint eher die Ausnahme zu sein. Während man es mit einer Liebesbeziehung ja wirklich schön rechtfertigen kann, wirkt es vielleicht einfach anders, wenn es sich um ein One Night Stand handelt. Andererseits, hey, emanzipierte Charaktere und so.

Aber wie baut man nun langsam eine Liebe auf, abgesehen von den schnellen Möglichkeiten oder die Charaktere einfach dazu zu zwingen. Die Antwort darauf ist so simpel, dass man sie gar vergessen könnte: Man lässt sie einfach interagieren. Der Trick dabei kann durchaus einfach sein, dass die betreffenden Personen einfach Zeit miteinander verbringen müssen, damit sich die Sache von selbst Entwickelt. Natürlich ist es durchaus erlaubt, den Charakteren einen gewissen Schubs in die richtige Richtung zu geben, aber im Grund muss es sich, um natürlich zu wirken, von selbst entwickeln. Hierbei ist auch zu beachten, dass man ihnen genug Platz einräumt, um auch außerhalb von gescripteten Events miteinander interagieren zu können.

Zum Schluss kommen wir nun zu dem Punkt Erotik. Ohja, ich mag Erotik in Texten, dezente bis explizite Texte. Von dem sanften Streicheln bis zum detaillierten Coitus. Dabei gibt es allerdings ein paar sehr wichtige Dinge, die man immer berücksichtigen sollte. Die Sprache in der das Liebespiel geschrieben wird, sollte zu den Charakteren passen, die Reaktionen entsprechend angepasst werden und natürlich darf man das Ganze nicht zu sehr ausbauen. Es ist eine Sache, mal eine oder zwei Seiten lang über Sex zu lesen, aber ein andere, wenn es sich alle fünf Seiten wiederholt. Davon abgesehen ist es gar nicht so einfach, eine dauerhafte Erotikszene so zu schreiben, dass ich nicht immer alles einfach wiederholt.

Natürlich muss ein erotischer Text nicht sofort in Sex oder einer Orgie ausarten. Die Kunst der Erotik liegt vielmehr darin, alltägliche Situationen entsprechend zu beleuchten. Ein besseres Wort fällt mir gerade nicht ein. Aber ich denke, Beleuchten trifft es recht gut. Man kann sich das durchaus so vorstellen, wie man beim Film die Atmosphäre erzeugt. Durch Spiele mit Licht und Schatten, farbigen Lichtern und dezenten Anspielungen. Warum weiß man immer, dass sich die Charaktere gerade in einem Stripclub befinden, schon bevor man die ersten halbnackten Frauen an der Stange sieht? Das Licht verändert sich subtil. Für Autoren ist es aber etwas komplexer. Anstatt mit der Schreibtischlampe ein wenig herumzufuchteln, benutzen wir einfach andere Wörter, bemühen uns um eine andere Tonart oder auch darum, dass sich Charaktere mit einem Mal etwas rosig fühlen. Die Kunst liegt also wie immer eigentlich darin, mit den rechten Wörtern den richtigen Ton zu treffen.

Das Ganze erfordert eine Art des Feingefühls, das nicht unbedingt jedem Autor in die Wiege gelegt wird. Es ist auch auf die Charaktere anzupassen sowie ein wenig an das gewählte Publikum. Ich würde fast dazu sagen, es ist die eigentliche Kunst des Handwerkes.

Schnurrig
Neko

Über Neko

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2 Antworten zu Erotik, Liebe, Freundschaft – die wahren 50 shades of grey

  1. Kai schreibt:

    Oder wenn man eine Geschichte scrheibt und am Ende merkt, dass diese zwei Charaktere sich ja eigentlich ineinander verliebt haben müssten, so wie ich sie geschrieben habe. Das ist mir geschehen. Zack.

    Gefällt 1 Person

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