Sternenkrieger

Kapitel 1 – Eisige Weiten

Der Kerker

Kitty:

“Hmpf! Die stehlen uns doch einfach nur die Show”, murre ich ungehalten, als Nyla den Befehl der Raktari weitergibt. Zustimmendes Grummeln erklingt von den anderen der Truppe, bevor Nyla vorsichtig meint: “Sie haben zumindest den Funkverkehr wiederhergestellt und wir würden Stunden brauchen, um die ganze Festung zu räumen. Mit den Raktari Kriegerinnen wird es nur einen Bruchteil der Zeit dauern. Außerdem könnt ihr kaum erwarten, dass sie einfach ruhig in ihrem Raumschiff sitzen, während wir hier in einem Kampf festsitzen.” Das sie auch immer recht haben muss! Ich geben noch ein leicht genervtes Seufzten von mir, bevor ich den Befehl zum Sammeln gebe.

Zwar habe ich das Gefühl etwas zu dick aufzutragen, wenn wir mit der ganzen Truppe die untere Eben räumen, aber eine Diskussion mit der befehlshabenden Raktari würde nur dazu führen, dass ich von der Admiralität eines auf die Finger bekomme. Jahrhunderte Kampferfahrung und so weiter. “Ihr habt die Kätzchen gehört, wir dürfen das Untergeschoss prüfen”, murre ich leicht ungehalten während die Gruppe sich auf den Weg macht, um dem Befehl nachzukommen. Sonderlich enthusiastisch wirkt dabei niemand, außer vielleicht Nyla.

Das untere Stockwerk wäre vielleicht einmal durch einen Turbolift oder etwas dergleichen zu erreichen gewesen, nun befindet sich dort aber nur mehr ein leere Schacht, welcher scheinbar tiefer in das Innere des Planeten führt. Allem Anschein nach geht es dort gute zwanzig Meter nach unten, was mich doch anzweifeln lässt, dass es nur ein unteres Geschoss gibt. Scans des Schachtes weisen aber nur auf einen Ausgang hin, welcher sich ganz unten befindet. “Ich mag diese Festung nicht. Sie ist so völlig untypisch”, meine ich über den Comkanal. Dann geht es auch schon hinab.

Die Servomotoren meiner Rüstung surren protestierend als sie das Gewicht am Ende des Schachtes bremsen müssen. Im Gegensatz zu meinem freien Fall nach unten, krallt sich Nyla an der Wand fest und rutscht dieser elegant nach unten. Sie ist so zwar etwas langsamer, aber auch wesentlich leise, abgesehen von dem wirklich grausamen Geräusch, als ihre Krallen durch den Beton schneiden. Anschließend drücken wir die ehemalige Tür des Turbolifts auf. Als wir den Schacht verlassen, beginnen die anderen mit dem Abstieg in den Schacht.

Hier wirkt die Festung nicht mehr so gepflegt oder stabil. Ganz im Gegenteil. Niemand scheint sich die Mühe gemacht zu haben, den natürlichen Fels des Planeten mehr zu bearbeiten als nötig. Ganz am Anfang scheint es noch Spuren davon zu geben, aber schon wenige Meter später ist es nur noch nackter, behauener Fels. Außerdem macht es den Eindruck, als wäre dieser Teil der Festung erst vor kurzem gegraben worden. Feuchtigkeit liegt schwer in dem felsigen Gang. Das Kondenswasser glitzert auf dem Felsen. Auch macht es den Eindruck, als wäre der Schmutz von den Arbeiten nicht entfernt worden. Überall in den Kanten finden sich schlammige Rückstände.

Nyla bewegt sich auf der rechten Seite des felsigen Tunnels entlang während mir die Linke bleibt. Bereits nach einigen Schritten beginnt sich ein modriger, fast fauliger Geruch abzuzeichnen. Die Filtersysteme meiner Rüstung entfernen aus der Luft zwar jedwede schädliche Partikel, sind aber so eingestellt, dass Gerüche bis zu einem gewissen Grad noch wahrnehmbar sind. Zugleich wird die Zusammensetzung analysiert sodass mein Visor mir eine detaillierte Aufschlüsselung bieten kann. Hier handelt es sich um einen Geruch, der in erster Linie durch das langsame vor sich hin faulen von Wasser entsteht, auch wenn es schwer zu glauben ist, dass auf diesem Eiswürfel irgendetwas faulen kann.

Unsere Schritte erzeugen ein leises Knirschen auf dem felsigen Boden, begleitet von dem Geräusch des langsam über kleinere Kante tropfenden Wassers. Schweigend bewegen wir uns weiter durch den Gang, bis dieser schließlich um neunzig Grad abbiegt. Abgesehen von dem viel schlimmer werdenden Gestank sind die Wände ab hier mit stabilen Gittern versehen. Scheinbar wurde dieser Teil der Festung als Gefängnis verwendet oder besser gesagt als finsterer Kerker. Wachsam beginnen wir damit, die einzelnen Zellen zu durchsuchen.

Die Gitterstäbe wirken zwar primitiv, sind aber relativ solide gefertigt. Die Zellen selbst sind alle nach dem gleichen Muster gefertigt. Ein kleiner Raum, in dessen Mitte sich ein kleines Loch befindet. Auf dem felsigen, kalten Boden finden sich ein paar Fetzen, mit denen sich die Gefangenen vermutlich ein wenig vor der Kälte schützen konnten. Bereits in der ersten Zelle finden sich nur die halbmumifizierten Reste eines Menschen. Schnell gebe ich die Information an die Basis durch, ehe wir uns die anderen Zellen ansehen. Auch dort sieht es nicht besser aus. Vermutlich sind es die Gefangenen für welche die Piraten keine Verwendung hatten. Die Körper sind in relative guten Zustand, was wohl der Kälte zu Schulden ist.

Zelle um Zelle geht es weiter, ohne dass der Ausblick erfreulicher wird. Schließlich erreichen wir die Letzte. Auch diese ist in keinem besseren Zustand. Ein Bündel zerschlissener Fetzen liegt auf dem Boden, darin vermutlich eine weitere Leich eingewickelt. Fast nebensächlich öffnet Nyla mit ihrer Energieklinge die Zelle, bevor sie hineingeht. “Vorsichtig”, mahne ich sie leise. Die Raktari schnaubt leise, bevor sie sich zu dem Bündel auf dem kalten Zellenboden kniet.

In dem Moment, als Nyla ihre Pfote auf die Stofffetzen legt, kommt Bewegung in eben jene. Eine abgemagerte Hand hält einen kleinen Stein mit aller Kraft umschlungen und schlägt mit diesen auf den Kopf der Raktari ein. Das Geräusch des Zusammentreffens von Stein und Metall hallt laut in der Zelle wieder. Nyla scheint nicht mit einem Muskel gezuckt zu haben, als sie so plötzlich angegriffen wurde. Dafür kommt das Kopf des Mannes zum Vorschein. Eingefallene Wangen, blaue Augen, die von Müdigkeit gezeichnet sind und ehemals vermutlich blonden Haare, die so voll mit Dreck sind, dass sie fast von selbst abstehen. Der Schock steht dem Mann ins Gesicht geschrieben, als der die Nutzlosigkeit seiner Aktion begreift. Dann lässt er seine improvisierte Waffe fallen.

Nyla hält die Augen auf den Gefangenen gerichtet, ehe sie ihn mitsamt seinen Fetzen vorsichtig hochhält. “Ich bringe ihn zu einem Medizindeck”, erklärt sie kurz, bevor ein paar Worte in der Sprache der Raktari fallen. Nur Sekunden später wird sie mitsamt dem Mann in ein goldenen Licht gehüllt. Einen Augenblick später bleibt nur noch Luft zurück.

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